Kurz gefasste Dortmunder Großraumwagengeschichte

In den Jahren 1953 und 1954 wurden in Dortmund sechs Großraum Triebwagen angeschafft. Diese Fahrzeuge basierten auf dem Typ Hannover und Essen, hatten allerdings eine etwas andere Frontscheibe und einen größeren Fahrerstand, der sich damals in einer Kabine befand.

Die Antriebssteuerung wurde elektropneumatisch betrieben. Durch Druckluft wurden die Fahrkontakte "eingeschossen". Die Steuerung erfolgte in den ersten Jahren mittels Pedalsteuerung, was sich in Dortmund aber nicht bewährt hatte und einen Umbau auf Kurbelsteuerung nach sich zog.

Diese Fahrzeuge waren damals eine Revolution auf Dortmunds Straßenbahngleisen, denn die Laufruhe war der Drehgestelle auf Gummigefederten Rädern war damals dem Dortmunder Fahrgast noch unbekannt.

Der Fahrer hatte nun eine feste. beheizbare  Fahrerkabine und konnte auf einem festen und gepolsterten Sitz seinen Fahrdienst versehen. Zuvor wurde in den Zweiachsern stehend und später auf einem losen Holzstuhl sitzend gefahren. Erstmalig bei der Dortmunder Straßenbahn gab es eine elektrische Anzeige für die Türen.

Der Schaffner hatte erstmals einen eigenen Schaffnerplatz und konnte die Fahrgäste bequem im sitzen abfertigen. Die Türen konnten elektrisch per Knopfdruck geschlossen und geöffnet werden, - früher war Muskelkraft dazu erforderlich. Selbst das Ausrufen der Haltestellen war nun für den Schaffner wesentlich stimmbandfreundlicher, denn erstmals gab es Dortmunder Straßenbahngeschichte Fahrzeuge mit einer Beschallungsanlage. 

Auch der Tachometer wurde erstmals mit den Großraumwagen eingeführt. Zuvor wurde die Geschwindigkeit vom Fahrer geschätzt. Bei den Sambawagen befand sich der Tacho anfangs rechts vor der gewölbten Scheibe und glich von der Optik her einem Schiffshorn.

Der Fahrgast musste sich mit der Indienststellung dieser neuen Fahrzeuge, die Zunächst als Einzelwagen oder in Doppeltraktionen auf der Linie 21 (Hörde - Hauptbahnhof) eingesetzt wurden, etwas umgewöhnen.

Der Einstieg für Bahrzahler war nun an der Hintertür vorgeschrieben. Wer eine Wochen- oder Monatskarte hatte, durfte auch beim Fahrer einsteigen. Der Ausstieg war nur in der Fahrzeugmitte erlaubt. Dieses  wirklich perfekte Fahrgastflußsystem setzte sich deutschlandweit durch. Der Ein- und Ausstieg funktionierte reibungslos und die Haltestellenaufenthalte wurden deutlich kürzer.

Das Fahrverhalten war durch die Luftfederung "wie im Schiff" - die hintere Fahrgastauffangfläche wurde als "Tanzfläche" bezeichnet,- in den 50ér Jahren tanzte man zum Sambarythmus und schon war der Name "Sambawagen" für die Dortmunder Großraumwagen geboren.

Im Jahre 1958 lieferte Credé in Kassel die passenden Beiwagen 811 bis 816. Die Auftragsbücher der DÜWAG waren hoffnungslos überfüllt, so dass einige Straßenbahnen in Linzenzbauweise gefertigt werden mussten. Die Beiwagen hatten in der Regel hinter festen Triebwagen (301+811; 302+812.... 306+816).

Die Triebwagen verloren die vordere Scharfenbergkupplung und die Luftzufuhrhebel wurden verschlossen.

Bis zur Auslieferung der 3. GT8 Serie  blieben die Großraumwagenzüge überwiegend auf der Linie 14 (Westfalenhütte - Nicolaikirche), 3 (Lindenhorst - Stadion Rote Erde (Westfalenstadion)) im Einsatz,- der Heimatbetriebshof (Bh. II) war die spätere Hauptwerkstatt Immermannstraße.

Später wurden die "Samba- Wagen" am Betriebshof Dorstfeld stationiert und bedienten fortan auch zeitweise die Linie 2 (Schleife Dorstfeld - Schleife Brackel), aber überwiegend wurden sie vom neuem Heimatbahnhof 1 aus auf der "langen 4" (Westfalenhütte - Hombruch) eingesetzt.

Schon 1966 stand das Thema Schaffnerwagen auch in Dortmund zur Debatte. 

Einmannwagen waren günstiger zu betreiben,- das Hauptproblem, welches zur Ablösung des Schaffners führte, war das Problem ausreichend Personal zu finden. 

Damals gab es auch in Dortmund Vollbeschäftigung (auf rund 630.000 Einwohner kamen gerade mal 1.600 Arbeitslose)! Die Kosten waren damals nicht das Ausschlaggebende, denn Dortmunds Wirtschaft boomte.

1969 wurden die ersten neun GT8 mit "Stahlschaffnern" und Türdrückern für die Fahrgäste ausgeliefert. Die Wagen  6 -15 (1973 umgenummert in  82 - 91) sollten zunächst auf den Linien 16 und 5 (Sonntags), später auch auf allen anderen Linien die Fahrgäste an die Fahrgast- Selbstbedienung gewöhnen. Wenn das rote Schild mit dem weißem "S" vorne eingesteckt war, saß der Schaffner im vorderem Schaffnersitz,- Sonntags und im Schwachverkehr wurde auch ohne Schaffner gefahren.

Bis auf den Wagen 302 wurden nun alle Großraumwagen abgestellt. Der übrig gebliebene 302+812 fuhr bis 1972 gelegentlich im Stadionverkehr, ansonsten (Solo von 1972 bis 1974) morgens im Schülerverkehr die Einsatzwagen- Runde Dorstfeld - Wambel,- (den selben Abschiedskurs hatte zuletzt auch der allerletzte Sambazug 303+812 gefahren).

Die Großraumwagen waren in Deutschland ein Symbol des Wirtschaftswunders und des Wohlstandes. Solch für den Fahrer und Schaffner, sowie für den Fahrgast komfortablen Straßenbahnwagen hatte es in Dortmund zuvor nicht gegeben! In den Wintermonaten hatte man sich erschrocken, wenn man auf den heißen Sitzen platz genommen hat, denn die Heizleistung war bombastisch und wurde später nur noch von den GT4 erreicht. Zugegeben: Die Heizungen waren oft zu gut und insbesondere Schaffnerinnen mochten die Bahnen gerne überwärmt.

Abgesehen von den Wagen 303 und 304, überlebten die Dortmunder Sambawagen nicht lange, denn die Zeit der vollen Stadtkassen ließ auch die "amerikanische Wegwerfgesellschaft" aufleben. Die Triebwagen fuhren gerade mal 20 Jahre und die Beiwagen nur 15 Jahre lang. Voll funktionstüchtige Bahnen zu verschrotten, ist mit diesem Fahrzeugtyp in Dortmund in Mode gekommen. Das ist eine weitere, wenn auch unerfreuliche Besonderheit und der traurige Abschluss der Sambawagen in Dortmund. 

(Andere Städte waren damals nicht so verschwenderisch,- selbst das reiche Düsseldorf setzte die Großraumwagen 15 Jahre länger ein)....

Im Jahre 1975 wurde Wagen 304 bunt. Er war Dortmunds einziger Großraumwagen mit Vollwerbung. Eine identische Werbung gab es auch auf einem Essener Großraumwagen. Damals suchte ich als noch ganz junger Straßenbahnfan verzweifelt nach dem naturtrüben Getränk Namens "bizzl". Mein damaliger Lieblingswagen hatte es mir schließlich empfohlen,- die Suche war erfolglos....

Nach dem ersten Umbau konnten die Triebwagen nicht mehr gekuppelt werden und kamen zwischenzeitlich solo zum Einsatz, wie hier als Verstärkungswagen zwischen Nicolaikirche und Hauptbahnhof. Als Einzelwagen fuhren die Sambas, wenn der Stammbeiwagen in der Werksatt gewesen ist.
Das Armaturenbrett war sehr beschaulich. Links oben befanden sich drei Lichthütchen, die anzeigten, ob die Türen geöffnet sind, Das Mikrofon und die drei Schalter auf der weißen Platte wurden ca. 1972 eingebaut, denn erst dann wurden die Dortmunder Straßenbahnen mit Funk ausgestattet (vorne gekennzeichnet mit einem schwarzen "F" auf weißem Grund). Neben den Funktastern (Löschen, Signalrufen, Sprechen) befand sich der Bremsventilhebel.

In der unteren Reihe galt folgende Schalterbelegung (von links): Tür 1; Mikrofon; Scheinwerfer, Blinker, Scheibengebläse, Schaffnerruf (nur der Lautsprecher am Schaffnerplatz wurde eingeschaltet, Notruf (Signalton).

Hinten gab es bei den Trieb- sowie Beiwagen drei Türen. Die Letzte war für Kinderwagen und Lasten gedacht, wurde manchmal aber auch geöffnet, wenn besonders viele Fahrgäste einsteigen wollten.

Zur Geschichte der erhalten gebliebenen Sambawagen 303 und 904    (Blau unterstrichenes anklicken)

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