Die Geschichte des erhalten gebliebenen Dortmunder "Sambawagen" 303 

Fortsetzung der Kurzgeschichte über den Dortmunder Großraumwagen



Im Jahre 1987 bekam der TW 303 seine letzte Hauptuntersuchung in Dortmund.

Nach der Neulackierung und Umnummerierung in 203 absolvierte er die Zulassungs- Probefahrten auf der ehemaligen "Teststrecke" zwischen Buschstraße und Westerfilde, (bevor er im Gleisdreieck Mengede gedreht wurde).


Die letzten Einsatzjahre waren ihm nur als morgendlicher E- Kurs Bth. Dorstfeld > Brackel und zurück gegönnt, gleichzeitig wurde er manchmal als Fahrschulwagen verwendet oder auch für Sonderfahrten, so wie hier auf den Fotos von 1989 zu sehen.

Durch den Tunnel konnte der 303 problemlos fahren, denn er hatte im Gegensatz zum BW 812 bereits die breiten Stadtbahn- Radbandagen bekommen.
Im Tunnel konnte man den 303 jedoch nur selten antreffen,- wenn dann nur auf Fahrschulfahrt oder bei einer Sonderfahrt. Im Linienverkehr durfte er nicht in den Tunnel.


1992 sollte der Zug 303 und 812 den Weg des alten, rostigen Eisens gehen. Der letzte im Ruhrgebiet erhaltene Normalspur- Großraumwagenzug sollte aber unbedingt erhalten bleiben, dachten sich ein paar Straßenbahnfans und gründeten spontan einen gemeinnützigen Verein.
Freiwillig wollten die DSW den "Sambazug" nicht abgeben, mit der Begründung, er sei "auf und nicht Stadtbildprägend" gewesen.
So führte der Verein einen Pressekampf gegen die DSW, der später nichts anderes übrig blieb, den Zug für 575,-- DM an Andreas Herr zu verkaufen, der ihn dann als Dauerleihgabe dem Museumsprojekt zur Verfügung stellte (siehe Schwerter MuseumsStraßenbahn).


Da der Standplatz am Westfalendamm (s. Bild links) nicht von Dauer gewesen ist, musste der 303 und 812 ganz schnell weg.

Zunächst war geplant, dass die Duisburger Verkehrsgesellschaft den Zug für ca. 2 Jahre lang unterstellt,- das scheiterte dann jedoch wegen der Warnung des Betriebsleiters Ernst Helmich aus Dortmund. Er behauptete, dass der Zug nicht durch den Tunnel geschleppt werden könnte und überhaupt...
Ein Vereinskollege konnte dann den Kontakt zur Mainischen Feldbahn (Eisenbahnreperaturwerk in Schwerte) herstellen. Bernhard van Engelen zeigte sofort Erbarmen mit dem Sambazug und gewährte diesem, so wie drei anderen Straßenbahnwagen Asyl. Das war die zweite Rettung vor der bevorstehenden Verschrottung!

Auf einem Cullemeyer Transporthänger, der eigentlich für Eisenbahnen konstruiert ist, wurde der Triebwagen sowie der Beiwagen abtransportiert. Dazu musste beim TW der hintere Drehgestellrahmen durchtrennt werden, was bei dem kalten und feuchten Wetter nicht gerade angenehm war (In Schwerte wurde der Rahmen wieder zusammen geschweißt).

In Schwerte stand der Sambazug lange zwischen abgestellten Eisenbahnwagen. Es wurde dort damit begonnen, Rost zu entfernen, denn die lange Abstellzeit im freiem hat der alten Lady so einige Schäden im Blechkleid zugefügt. Ferner wurde dort damit begonnen, den Beiwagen 812 zu entkernen,- die Teile wurden zunächst im 303 eingelagert.

Auf eigenen Achsen, aber im Schlepp einer SKL wurde der Sambazug dann 1995 nach Schwerte- Ost in das ehemalige Eisenbahnausbesserungswerk überführt, wo der 303 ab 1996 viele Besucher und Fahrgäste erfreuen durfte.
Rechts im Bild sieht man ihn auf der Probefahrt mit SKL. Leider hatten die Temperaturen, aber auch die Vorbereitungen im "Dschungel" (Bild links) es nicht zugelassen, den 303 für die spannende Reise schick zu machen.....


Es gab 1995-96 nur vier aktive Mitglieder des Vereins, die sich um alle Vorbereitungen und die Durchführung der Überführungen kümmern mussten. Die Halle war als Schrott- und Mülldeponie mißbraucht worden, die Gleise waren zu gewuchert, im Handbetrieb mussten Bäume gefällt werden und selbstverständlich mussten auch die alten, seit Jahren brach liegenden Eisenbahngleise auf dem EAW Gelände soweit vorbereitet werden, dass das Überfahren gefahrlos möglich ist.

In der neuen Heimat konnte die Aufarbeitung weiter fortgesetzt werden, denn die "Halle des Grauens" bot insbesondere in dem sehr heißem Sommer optimalen Schutz.
Innerhalb der Restaurierung verdienete sich der 303 als Souvenier-Express seine Farbe,- Besucher kamen nämlich von Anfang an nach Schwerte.
Dort hatte der 303 dann leider auch einen schweren Unfall erleiden müssen. Eine Kranfirma war der Meinung, man könne statt ordentlichen H- Profiltraversen auch alte Schienen nehmen... Der 303 rutschte hinten ab und zog sich dabei am Heck schwere Schäden zu, die der Kranfirma bzw. ihrer Versicherung sehr teuer zu stehen gekommen sind. 30.000,-- DM musste als Schadensersatz geleistet werden. Das Geld ist dann nicht nur der Reparatur zu Gute gekommen, sondern auch dem Zuwachs an weiteren Straßenbahnen....

Ehrlich zugegeben, was das ein willkommenes Geschenk, denn ohne dieses Geld hätte der Rostocker Zug nicht kommen können,- Straßenbahntransporte sind sehr teuer...
Dass man Straßenbahnen auch ohne Gleise rangieren kann, wussten wir damals noch nicht. Man lernte immer fleißig dazu ;)

Nicht nur Eisenbahngleise, sondern auch echte Straßenbahngleise bekam der 303 in Schwerte wieder unter die Räder. Die Weichen, die hier auf den Bildern zu sehen sind, stammen aus Dortmund Asseln und wurden in Schwerte wieder fit gemacht. Das Herzstück von Gleis 1 auf 2 ist übrigens ein (bestens funktionierender) Eigenbau aus Gleis- und Kernschrott ;)

In "feinster Gesellschaft" wurde der 303 Dank Firma Hoppecke, die dem Verein 30 Gabelstaplerbatterien sponserte, regelmäßig in Schwerte eingesetzt, bis der Verein und vor allem der "harte Kern" dann leidvoll erfahren mussten, dass auch Deutschland ein korruptes Land ist.
Ein Grundstücksspekulant hatte die "nötigen Argumente", um die Stadt davon zu überzeugen, dass das Straßenbahnmuseum einem Gewerbebetrieb weichen soll.
Auch die Bundesregierung sah dabei zu, wie der gemeinnützige Verein das Bundeseigentum räumen musste...


Heute, 15 Jahre nach dem Ende der SMS steht die Halle und das Gelände noch immer brach und wird wieder als wilde Mülldeponie genutzt.

Der Grundstücksspekulant hat nämlich kurz nach dem Ende der SMS Konkurs anmelden müssen....


Die Schwerter MuseumsStraßenbahn ist also völlig umsonst gestorben und zahlreiche Unikaate wurden vom deutschem Staat in barbarischster Art und Weise verschrottet!

 






Der 303 wurde im Jahr 2000/2001 zunächst von M. Diercks vor der Verschrottung gerettet,- seine vierte Rettung war das.
2008 stand der 303 in Krefeld abgestellt, zuvor schon im saurländischem Borgholz und heute in Blindheim.
Er steht seit 15 Jahren in freiem abgestellt und das kann der 303 absolut nicht ab!
Werden nicht schnell helfende Hände und viel Geld zu ihm gelangen, dann sieht seine Zukunft nicht gut aus... 


zu TRAM-aktuell              zum vir. Straßenbahnmuseum-Dortmund                 zum Wagen 904 (304)

Möchten Sie mehr über die Schwerter MuseumsStraßenbahn sehen?-  TRAM-aktuell zeigt einen Dreiteiler kostenlos auf youtube und später auch auf DVD !

Teil 1 siehe hier: